Man sagt ja immer ich bin ganz hin und weg.
Ich glaube ja immer you make me go places.
Ein Tisch. Eine Leinwand. Zwei Telefone.
Eine Kiste mit Knöpfen. Ein Klavier. Ein Koffer.
Dose. Flöte. Schreibmaschine.
Zwei Performer, die sich ernsthaft fragen, was es noch zu finden gibt.
Links und Rechts. Oben und Unten.
Und ob es sich lohnt, dafür aufzubrechen.
Für 11,50 Euro fährt Reiner Harscher für mich nach Kanada –
und macht da wirklich hübsche Bilder, die heute fast jeder machen könnte.
Der Fluch entdecken dürfen zu müssen, wo es nichts mehr zu entdecken gibt.
Das Gleiche noch mal anders. Das Andere noch mal gleich.
Doch auf jeden Fall in High Definition. Und auf jedem Fall in Dolby Surround.
Ein Lichtbildvortrag ohne Lichtbild.
Ein Fluchtversuch nach Artikel 13.
Auf die Bühne hat sich ein Reisebericht verlaufen; irgendwo zwischen Lichtbildvortrag und Entdeckerkrise finden sich zwei Gestalten wieder. Sie sind Relikte alter Tage, Auslaufmodelle, die es nochmal versuchen wollen und einen vollgestopften Koffer mit Texten, Geräuschen und Telefonen mitgebracht haben.
Die Soundperformance »10 spannende Reiseziele, die einfacher zu erreichen sind, als sie glauben« fängt da an, wo die Ferne mit Billigfliegern und Pauschalreisen inzwischen viel zu leicht zu finden ist.
Jost von Harleßem, Falk Rößler und Michaela Stolte entführen den Diavortrag aus den Wohnzimmern und Stadthallen der Republik. Ihre Fundstücke und Erinnerungen konfrontieren sie mit einer experimentellen Form: In einer Mischung aus Live-Hörspiel, Theaterstück und Performance wird der Begeisterung von Polarreisenden und Indientouristen auf den Zahn gefühlt, geschwelgt und hingerichtet. Statt Antworten zu haben, wird jeden Abend aufs neue gesucht und im besten Fall gefunden – auf jeden Fall aber viel hingehört.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen (http://www NULL.atw-giessen NULL.de/), die Hessische Theaterakademie (http://www NULL.hessische-theaterakademie NULL.de/) und die Landungsbrücken Frankfurt (http://www NULL.landungsbruecken NULL.org/de/).
“Dem dramatischen intellektuellen Anspruch mag natürlich auch die freie Szene in nichts nachstehen. Allerdings gehen Jost von Harleßem und Falk Rößler im Theaterdiscounter zwecks geistiger Entgrenzung einen kleinen Umweg: Sie wollen die Hirndurchlüftung geografisch, nämlich mit Fernreise-Träumen befeuern. (…) Davon, dass dieser Abend zunächst ein bisschen nach Frauenzeitschriftserbauung oder Pauschaltourismus-Katalog klingt, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die Macher versprechen einen konstruktiven, also larmoyanzfreien Erste-Hilfe-Kurs für entgrenzungswillige, im Alltag festhockende Gemüter. Sie nehmen das Setting des Reisevortrags zum Ausgangspunkt für eine Art Kopf-Trip und führen es mit dem Genre des Live-Radio-Features zusammen.”
Tagesspiegel Berlin
“Der multimediale Reisebericht mit Headset und großer Geste wird – wir ahnen es – hier nur kurz zitiert und dann ordentlich fragmentiert. Der Soundtrack fällt gelangweilt der Vorspultaste zum Opfer: Es geht hier auch um die mediale Verfügbarkeit und Aufbereitung von Erinnerungen. (…) Und so steht den ganzen Abend die Frage im Raum, woraus Reisen denn noch bestehen kann, wenn doch der Entdecker mangels weißer Flecken auf der Landkarte keine Chance mehr hat. Sollen wir trotzdem fahren? Und dieses Mal bessere Fotos machen? Oder reichen die Fotos der Anderen schon aus und machen uns die Welt sowieso verfügbar?”
www.schönschrift.org






