Opa übt

«Unten im Orchestergraben steht der Dirigent. Ohne ihn geht es nicht. Vor dem Dirigenten sitzt das Orchester. Ohne das geht es nicht. Auf der Bühne stehen die Sänger – und ein grosser Chor. Ohne sie geht es nicht. Und im Souffleurkasten sitzt der Souffleur und vielleicht gibt es sogar ein Ballett und jemand hat etwas für die Bühne gebaut und viele haben mitgeholfen. Ohne sie alle geht es nicht. Alle zusammen sind sie: die Oper. Und wir Drei sind jetzt auch die Oper. Wir sind jetzt sie. Nur weniger.» Für «Opa übt» knöpft sich FUX die Oper vor. Dem grossen Opernapparat mit mehreren hundert Beteiligten stellt sich ein dreiköpfiges Ensemble gegenüber. Musik, Gesang, Narration und Spielweise werden umgearbeitet und durch den eigenen Filter geschickt. Das prunkvolle Opernhaus weicht der Reithalle der Kaserne Basel. Auf der Suche nach einer alternativen Opernästhetik muss FUX üben: an den Instrumenten, an der Technik, an ihren Stimmen und Körpern, an der Präsenz, kurz: am neuen grossen Ganzen.

Konzept, Regie, Performance: Stephan Dorn, Falk Rössler, Nele Stuhler
Technische
 Gestaltung:
 Jost von Harlessem
Bühne:
 Annatina Huwiler
Produktionsleitung: Franziska Schmidt/stranger in company

Experimenteller, entschieden aber auch hermetischer kommt “Opa übt” der Giessener Truppe FUX daher. Paul Dessaus Monumentaloper “Lanzelot” von 1969 wird gegeben, doch: Nele Stuhler, Stephan Dorn und Falk Rössler sind nur zu dritt. Aus der Personalnot macht das Trio kurzerhand eine Formexperiment-Tugend und streicht die Oper konsequent zusammen, bis nur noch deren unkenntliches Gerüst bleibt. Minutenlang beschränken sich die drei Performer darauf, alleine Takte durchzuzählen. Die einschläfernde Synchronsprechübung wird zunächst zur Tortur für das Publikum, gewinnt aber gerade aus der Ereignislosigkeit heraus überraschend dynamische Effekte. Spätestens wenn zum monotonen Skandieren genauso sinnfreie Gesten und absurde Positionswechsel kommen, wenn Versatzstücke aus dem Text in widersinniger Betonung geschrien, gehechelt und ganz selten andeutungsweise auch gesungen werden, wird aus dem sturen Formwillen eine gewaltige Performance. Dem sozialkritischen Anspruch des DDR-Komponisten Dessau wird der -Boden so brutal entzogen. Das hat Ironie und Witz. Und das hat vor allem: archaische Theatergewalt. Baseler Zeitung 7.9.2013 // Simon Aeberhard

Aufführungen:

  • 5.-8.9.2013 – Treibstoff-Festival, Kaserne Basel
  • 11.+12.05.2014 – Frankfurt LAB
  • 7.+8.06.2014 – Festival PREMIÈRES, Strasbourg
  • 23.+24.11.2015 – Münchner Kammerspiele

Links:

  • http://www.gruppefux.de (http://www NULL.gruppefux NULL.de)
  • http://www.treibstoffbasel.ch (http://www NULL.treibstoffbasel NULL.ch/en/Produktionen/Fux)
  • http://www.strangerincompany.ch (http://www NULL.strangerincompany NULL.ch)